Generelles zum Leben und Arbeiten im Ausland
Table of contents
1. Vorwort
Zu Beginn klingt es wie ein Traum - spannend, reizvoll und verlockend. Dann kommen die Zweifel, will heißen Familie, Freunde und Bekannte verlassen, woanders neu anfangen, die fremde Kultur und die Entfernung. Dabei helfen folgende Überlegungen. Für einen Job innerhalb Deutschlands muss man normalerweise umziehen, für einen Job im Ausland sowieso. Wo ist also der Unterschied? In beiden Fällen muss man sich eine Wohnung suchen, sich vor Ort orientieren und neue Freundschaften schließen. Also kein Argument. In beiden Fällen kommt man vielleicht im Job nicht klar (Tätigkeit, Kollegen, Firma, ...). Also auch kein Argument. Die Entfernung? Deutschland liegt im Herzen Europas, innerhalb kurzer Zeit ist man per Flugzeug2. Wege ins Ausland
Die einfachste und unkomplizierteste Möglichkeit, im Ausland zu arbeiten, stellt die (zeitlich befristete) Entsendung durch den Arbeitgeber dar. Wer vorübergehend in ein anderes Land gehen und seinen derzeitigen Arbeitsplatz beibehalten möchte, sollte ein Sabbatjahr oder unbezahlten Urlaub in Erwägung ziehen. Praktika und Au Pair-Stellen sind ebenfalls zeitlich begrenzt und bieten sich für einen vorübergehenden Auslandsaufenthalt nach oder während Schule und Studium an. Wer dauerhaft ins Ausland möchte, wird in vielen Dingen "von vorne starten" und sich selbst um eine Stelle und die sonstige Organisation kümmern müssen.3. Mentalität und Sprachkenntnisse
Menschen und deren Grundbedürfnisse sind überall gleich. Es gibt nette und weniger nette, reiche und arme, ruhige und gesprächige Personen. Jeder strebt nach Glück, Zufriedenheit und Harmonie, ist Bestandteil einer Familie, amüsiert und entspannt sich gerne. Aufgrund von Mentalität, Kultur sowie historischen und regionalen Gegebenheiten gibt es jedoch unterschiedliche Denk- und Verhaltensweisen. Mit der heimischen Mentalität lässt sich im Ausland daher vielfach "kein Blumentopf gewinnen". Da man evtl. einige Jahre in einem anderen Land leben und arbeiten wird, sollte man sich über die Unterschiede, die eigenen Erwartungen und die eigene Persönlichkeit im Klaren sein. Manches wird sich mit der Zeit entwickeln, da man z. B. durch Kontakte im Rahmen von Bewerbungen (Telefonate, Vorstellungsgespräche) hinzulernt und klarer sieht. Gleichzeitig sind ausreichende Kenntnisse der Landessprache unabdingbar. Dies ist normalerweise gegeben, wenn man sich mit einem Muttersprachler mehr oder weniger fließend unterhalten kann und ein ausreichendes Textverständnis beim Lesen und Schreiben vorhanden ist. Im Falle einer leicht zu erlernenden Sprache, z. B. Englisch, oder einer hohen Sprachbegabung kommt ein Auslandaufenthalt mitunter schon früher in Betracht. Wenn die Arbeit vorwiegend in der eigenen Muttersprache verrichtet wird, z. B. Betreuung deutscher Kunden vom Ausland aus, bleibt eine Verbesserung der Fremdsprachenkenntnisse vorwiegend dem Privatleben vorbehalten. Die einfachste Variante ist das Zusammenwohnen mit Einheimischen, ein gemischter Freundes- und Bekanntenkreis sowie Freizeitaktivitäten mit entsprechenden Kontakten.4. Typische Berufsfelder
Weit verbreitete Tätigkeitsbereiche, welche sich gut für einen Einstieg eignen, sind Call Center, Technical Support, Customer Service, Credit Control / Collections, Accounts Payable, Accounts Receivable, Account Management, Sales sowie IT. Arbeitgeber sind in der Regel multinationale Unternehmen, die ihre Aktivitäten zentral, oft in Form eines Shared Service Centre (SSC), gebündelt haben. An so einem Standort werden normalerweise bis zu 1500 Mitarbeiter oder mehr beschäftigt und die Funktionsbereiche nach Ländern bzw. Sprachen unterteilt. Beispielsweise könnte es eine Accounts Payables-Abteilung für den deutschen, französischen, italienischen, spanischen und englischen Markt geben. Im Tagesgeschäft und bei Kundenkontakten sind entsprechende Sprachkenntnisse daher unabdingbar. Bei der Kommunikation mit anderen Abteilungen und Vorgesetzten sowie bei der internen Dokumentation (Fomulare, ...) bildet die Landessprache überlicherweise den gemeinsamen Nenner. Natürlich gibt es auch Beschäftigungsmöglichkeiten jedweder Art (vom Arbeiter bishin zum Akademiker) abseits von Shared Service Centren und internationalen Firmen. In diesem Fall konkurriert man jedoch mit einheimischen Bewerbern. Sofern man sich nicht in einem Bereich mit Fachkräftemangel bewirbt oder Kenntnisse der eigenen Muttersprache erforderlich sind, sollte überlegt werden, wie man sich von anderen Bewerbern abheben kann und dies in den Unterlagen deutlich machen.5. Preisniveau
Oft hört man, dass es im Ausland billiger oder teurer ist. Dies ist nicht von der Hand zu weisen, wie die vergleichenden Preisniveaus| EU-Staat | Preisniveau im Verhältnis zum Durchschnitt aller 27 EU-Länder |
| Mazedonien | 43
|
| Bulgarien | 46
|
| Litauen | 59,7
|
| Tschechische Republik | 62,6
|
| Slowakei | 63
|
| Polen | 63,4
|
| Rumänien | 64,7
|
| Lettland | 65
|
| Ungarn | 65,7
|
| Kroatien | 69,5
|
| Estland | 71,3
|
| Türkei | 72,7
|
| Malta | 73,2
|
| Slowenien | 76,9
|
| Portugal | 84,6
|
| Zypern | 87,7
|
| Griechenland | 88,6
|
| Spanien | 93
|
| Österreich | 100
|
| Italien | 102,9
|
| Niederlande | 103,1
|
| Deutschland | 103,2
|
| Luxemburg | 105,1
|
| Belgien | 105,2
|
| Frankreich | 106,7
|
| Vereinigtes Königreich | 112,3
|
| Schweden | 116,4
|
| Finnland | 121,4
|
| Schweiz | 125,7
|
| Irland | 126
|
| Dänemark | 136,9
|
| Norwegen | 137,5 |
Neben dem Preisniveau sind auch Dinge wie die Höhe der Steuer- und Sozialabgaben sowie Mehr- oder Minderkosten für bestimmte Waren und Dienstleistungen zu bedenken. Ein direkter Vergleich ist daher nur schwer möglich. Letztendlich muss man sich sowieso den ausländischen Verhältnissen anpassen.
6. Vorbereitung
Die Ausreise, wenn auch nur zeitweise, will gut vorbereitet sein. Man sollte sich darüber im Klaren sein, dass selbst eine ausführliche Literaturrecherche und ein Urlaub nicht ausreicht, um eine bis ins letzte durchdachte Entscheidung zu treffen. Beides wird einem Anhaltspunkte und bruchstückhafte Eindrücke geben. Nichtsdestrotz sollten die wichtigsten Punkte (z. B. Wohnungs- und Arbeitssuche, Steuer- und Sozialsystem) im Vorfeld recherchiert werden. Einen umfassenden Eindruck bekommt man jedoch erst, wenn man vor Ort ist und die alltäglichen Dinge anstehen. Auch sollte man nicht vor etwas weglaufen, z. B. Schulden, Beziehungsprobleme, Streit usw. Schließlich heißt es im Volksmund nicht umsonst "Man sieht sich immer zweimal im Leben" und "Die Vergangenheit holt einen irgendwann ein". Selbst wenn ein Stellenangebot schneller ins Haus flattert als einem lieb ist oder die Entscheidung schon lange feststeht, sollte man das Land nicht "Hals über Kopf" verlassen. Besser ist es, nach ausreichender Vorbereitung und Abklärung der grundlegenden Formalien ins Ausland zu gehen. Einerseits ist bei diesem Vorgehen die Wahrscheinlichkeit eines Reinfalls gering(er). Andererseits sorgt es für einen "freien Kopf" und vermeidet unnötige Belastungen während der ersten Zeit in einem neuen Land.7. Startkapital
Neben guter Vorbereitung ist ausreichendes Startkapital unerlässlich. Die genaue Höhe hängt von den individuellen Umständen ab.- Wechselkurs
- Preisniveau, wirtschaftliche Situation und Sozialsystem im Zielland
- Sicherheitsbedürfnis
- laufende finanzielle Verpflichtungen
- Auswanderung als Alleinstehender, Paar oder Familie
- Umzug in eine Großstadt (meist teurer) oder "auf's platte Land" (meist günstiger)
- Ansprüche (Markenartikel <=> Billigprodukte, "irgendeine Unterkunft" <=> modernes Appartment / Haus)
- Überführung eines Kraftfahrzeuges
- Arbeitsvertrag bereits unterschrieben oder entsprechendes Angebot
- Alternativplanung ("Plan B")
- Rückkehrmöglichkeiten bzw. -bereitschaft
Die oben genannten Punkte muss jeder für sich selbst beantworten. Während jemand ein Polster für einen Monat als ausreichend ansieht, ist dies in anderen Fällen vielleicht zu wenig oder zu riskant.
Created by admin. Last Modification: Sunday, 31 May 2009 13:07:32 IST by carsten.